Eigentlich war die reformierte Kirche in Schlieren voll: Plätze gab es am Sonntagabend keine mehr und trotzdem strömten die Menschen weiter in die Kirche. «Es kann ja jeder einen auf den Schoss nehmen», witzelte eine Stimme aus dem Publikum. «Oder wir wechseln die Kirche», empfahl eine andere.

Doch hatten die Musiker diesen intimen Rahmen ausdrücklich gewünscht. Und so behalf man sich mit zusätzlichen Stühlen und Klappstühlen, die kurzerhand auf das Podium gestellt wurden. Nachdem jeder freie Quadratmeter beansprucht worden war, stellte Kirchenpräsidentin Ursula Gütlin fest: «So voll war es bei uns noch nie.»

Gekommen waren die Musikenthusiasten, um ein ungewöhnliches Zusammenspiel zu hören: Geige, gespielt von Karin Keiser-Mazenauer, und Gitarre, gespielt von Federico Ahumada. Zusammen traten sie als Duo Sardana auf und hatten sich einiges vorgenommen. Das Programm versprach, einen Bogen «von Paganini bis Piazzolla» zu schlagen, von der Romantik bis zum Volkstanz und Salsa.

Argentinische Lebenslust

Es begann mit Paganini, dem sagenumwobenen Geigenvirtuosen, der nebenbei auch furchtbar gut Gitarre spielte. Höchste Ansprüche stellte denn auch das Stück, eine Sonate für beide Instrumente. Keiser-Mazenauer war der technischen Herausforderung gewachsen: Ohne Mühe raste sie durch die schwindelerregenden Passagen. Nebenbei erhielt der Zuhörer so eine Ahnung von dem Furor, der Paganini beseelt haben muss.

Anschliessend hatte Ahumada Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Er spielte ein Stück von Ángel Villoldo, der neben seiner Tätigkeit als Zirkusclown einer der bedeutendsten Pioniere des Tangos war. Ohne weiteres konnte man sich während des Spiels nach Buenos Aires träumen – Geburtsort sowohl des Komponisten als auch Ahumadas – und die schwungvolle Lebenslust dieser Stadt nachempfinden.

Spitzbübisch-spritzig ging es weiter mit Astor Piazzolla. Der Argentinier brachte, wie die Geigerin dem Publikum erklärte, frischen Wind in den Tango. Er reicherte ihn mit Elementen des Jazz und der Klassik an und wurde deshalb offen angefeindet. Das vorgetragene Stück verblüffte denn auch mit skurrilen Elementen wie den Kratzgeräuschen, die Keiser-Mazenauer – Gott weiss wie – ihrem Geigensteg zu entlocken vermochte. Dazu passend wurde die Gitarre zeitweise zur Trommel umfunktioniert.

Ein bisschen wie Elektro

Das Publikum war angetan von den vielseitigen Klängen. «Einmalig, das ist Kunst!», lobte Miroslav Putna aus Schlieren. «Ich finde das ungleich schöner als die moderne Musik, die man heutzutage im Radio hört.» Selina Zürrer aus Schlieren gab sich ähnlich beeindruckt: «Mir hat vor allem das ausdrucksstarke Geigenspiel gefallen – aber auch das virtuose Zusammenspiel der beiden.» Die Geigengeräusche gegen Ende haben sich ihr besonders eingeprägt: «Das klang zum Teil fast wie elektronische Musik», meinte sie.

Trotz der engen Verhältnisse wären die meisten Zuhörer gerne noch etwas länger in der reformierten Kirche geblieben. Allzu schnell verflogen die knapp anderthalb Stunden.